Ein Abschied mit Pauken und Trompeten!

Der Chor des St. Marien-Doms verabschiedet KMD Prof. Eberhard Lauer mit Mozart und Haydn in den Ruhestand

Das Abschiedskonzert findet am 10.06.2022 im St. Marien-Dom, der langjährigen Wirkungsstätte von Eberhard Lauer, statt, seit 1987 war er dort Kirchenmusikdirektor. Neben dem Domchor leitete er die Schola Gregoriana und das Palestrina-Ensemble. Er wird zusammen mit seinen ChorsängerInnen auf viele gemeinsame Proben, Generalproben, Aufführungen und andere schöne und prägende Erlebnisse zurückblicken können.

Der Domchor wurde bereits 1904 gegründet, damals als Knaben- und Männerchor. Ihm zur Ehre und zum Dank singt der Chor heute die Vesperae solennes de confessore von Wolfgang Amadeus Mozart und die Missa in tempore belli, auch bekannt unter der Bezeichnung Paukenmesse, von Josef Haydn. Ca. 45 Männer und Frauen haben sich hierzu versammelt. Die Solisten sind Dorothee Fries im Sopran, Nicole Pieper im Alt, Stephan Zelck im Tenor sowie Sönke Rams Freier und Sebastian Naglatzki im Bass. Das Collegium musicum Marianum übernimmt die Begleitung. 

Mozart komponierte die Vesperae solennes de confessore kurz nach dem Tod seiner Mutter 1780. Er verarbeitete hiermit seine Trauer, was besonders im 5. Satz “Laudate Dominum“ deutlich wird. Eine Vesper ist das liturgische Abendgebet im Christentum und umfasst nach der katholischen Liturgie 6 Sätze: Dixit nach Psalm 110, Confitebor nach Psalm 111, Beatus vir nach Psalm 112, Laudate pueri nach Psalm 113, Laudate Dominum nach Psalm 117, und Magnificat, den Lobgesang der Maria aus dem Lukasevangelium. Die Bezeichnung ‚solennes‘ deutet darauf hin, dass es sich um eine feierliche Vesper handelt, was auch durch die Besetzung mit Pauken und Trompeten verdeutlicht wird. ‚De Confessore‘ lässt darauf schließen, dass sie am Abend eines liturgischen Festtages eines Heiligen gesungen wurde.

Der erste und der letzte Satz rahmen die Vesper durch ihre Aussagen zur Verheißung und Erfüllung ein. So heißt es im Dixit Dominus: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich deine Feinde als Schemel dir zu Füßen lege; im abschließenden Magnificat dann: Denn Großes hat er an mir getan, der mächtig ist, und dessen Name heilig ist.

Es gibt viele Höhepunkte in dieser Aufführung.

Kraftvoll setzt der Chor in allen Stimmen im ersten Satz Dixit ein. Nach einigen Takten hat der Sopran einen strahlenden Einsatz. Sehr schön klingt das Forzato bei ‚reges in die’. Später hören wir alle vier Solisten. Der Chor beschließt den Satz mit kurzem, bestimmten Amen.                                          

Im zweiten Satz Confitebor beginnt der Chor kraftvoll Unisono. Solche kurzen Unisoni gibt es in der Folge öfter, zum Schluss beim ‚sicut erat in principio’, der Chor singt es fest und bestimmt, er lässt keinen Zweifel zu. Danach im Beatus vir hören wir den Solosopran zu ‚cornu eius exaltabitur in gloria’ mit einer kurzen, mühelos gesungenen Koloratur.

Der vierte Satz Laudate Puri, nur für den Chor geschrieben, ist sicher eine weiterer Höhepunkt. Hier lobt der Chor als Gemeinde in einer außergewöhnlich schönen Fuge Gottes Größe. Der Bass beginnt und ist hier sehr präsent. Die Fuge wird feierlich und exakt gesungen.                          

Der folgende Satz Laudate dominum ist eins der bekanntesten Kirchensoli Mozarts, und das zu Recht. Die schlichte Melodie wird zunächst vom Orchester gespielt, dann von der Sopransolistin gesungen. Sabine Schneider singt hier frei. Still, engelsgleich steht sie vor uns und singt mühelos, innig und leicht das ‚Lobet den Herrn, alle Lande’. Zum Schluss stimmt der Chor als Gemeinde leise und zart in den Gesang der Solistin ein. Schließlich erklingt das Amen, wieder von der Solistin, der Chor fügt es schlicht noch einmal an, bevor das Orchester mit wenigen Akkorden den Satz schließt. Eine wunderbare Lobpreisung Gottes!                                                  

Feierlich beginnt der Chor das Magnificat. Hier kommen noch einmal alle 4 SolistInnen zum Einsatz, ein wechselnder Gesang zwischen beiden folgt, bevor der Chor majestätisch mit einem Amen schließt. Ein würdiger Abschluss der Vesper!

Nach langem Applaus ergreift Eberhard Lauer das Wort. Er dankt dem Chor für die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit, auch den Solisten und dem Orchester. Es sind bewegende Sätze. Dann erinnert er an die Menschen in dieser Zeit, die Leid ertragen müssen, und bitte um einige Schweigeminuten zu ihrem Gedenken.

Die Missa in tempore belli von Haydn wurde 1796 komponiert und am 26. Dezember desselben Jahres in der Piaristenkirche Maria Treu zu Wien uraufgeführt. Haydn selbst nannte sie die Missa in tempore belli, Messe in Kriegszeiten, unter dem Eindruck der napoleonischen Kriege. Später gaben die Pauken im Agnus Dei der Messe ihren Namen. Zur Zeit Haydns waren sie kein Instrument der Kirchenmusik, was ihm auch Kritik eintrug. Die Paukenmesse umfasst traditionell die 6 Sätze Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Das Gloria ist wie das Credo und das Agnus Dei in kurze Sequenzen unterteilt. Die Missa in tempore belli ist eine eher fröhliche Messe, es gibt keine düsteren Töne, kein Klagen.

Bereits im ersten Satz Kyrie hören wir die Pauken. Nach einem kurzen andächtigen Largo im Chor beginnt ein munteres Allegro, bei dem auch die Solisten in das Kyrie einstimmen. Alt und Sopran treten hier in einen Dialog mit dem Chor.                                                                                                

Das Gloria beginnt mit einem festliche Choreinsatz. Im mittleren Teil singt der Solobass ausdrucksvoll in einfacher, schöner Melodie ‚qui tollis peccata mundi’ im Wechsel mit dem Violoncello, begleitet vom Chor. Hier hören wir des Chores ganze Stimmgewalt wie auch zarte Pianissimoeinsätze, die direkt aufeinander folgen. Das Umschalten der Dynamik gelingt perfekt.                                                                                  

Das Credo thematisiert Geburt. Leiden und Sterben Christi. Der Chor beginnt mit einer kurzen Fuge ‚credo in unum deum‘. Wie ein Gebet das ‚et incarnatus est’ zusammen mit den Solisten. Eine schwungvolle Chorfuge im ‚et vitam venturi saeculi‘ beschließt das Credo.                                                                                                     

Im Sanctus hören wir zunächst einen vom Chor begleiteten, zarten Abschnitt der Soloaltistin, bevor der Solotenor in den lebhaften, sich steigernden Chorgesang einstimmt.                                                                                    

Es folgt im Benedictus ein langes Orchestervorspiel, an dem auch wieder die Pauken beteiligt sind. Alle Solisten singen zunächst mit schöner Begleitung der Streicher, bevor der Chor mit ‚osanna in ‚excelsis’ eindrucksvoll den Satz beschließt.                                                                                                    

Das abschließende Agnus Dei beginnt mit einem Largo des Chores. Er singt es zunächst dreimal sich in der Dynamik steigernd, mit einem kurzen Innehalten dazwischen, was eine große Intensität vermittelt. Zum ‚dona nobis pacem‘ setzen auch die Pauken wieder ein, erst leise, von Einsatz zu Einsatz zusammen mit den Bläsern fanfarengleich sich steigernd zum Paukenwirbel. Alle Solisten treten hier, begleitet von den Trompeten, abwechselnd mit dem Chor nochmals auf, alle bitte gemeinsam um den Frieden: Dona nobis pacem!

Eberhard Lauer dirigiert mit ruhigen, zurückhaltenden Bewegungen. Dass der Chor ihm so perfekt folgt, bezeugt die lange und erfolgreiche Zusammenarbeit. Eine gewisse Rührung liegt in der Luft und ist den Sängern und Sängerinnen auch anzusehen. Das Publikum würdigt den Chorleiter und alle Akteure stehend, mit Rufen der Begeisterung und mit langem Applaus.

Marlies Radtke

Fotos

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