Mit Schwung in den Frühling!

Der Hamburger Oratorienchor Hamburg sang in der Laeiszhalle

Am 06. März fand das diesjährige Frühjahrskonzert des Hamburger Oratorienchores unter der Leitung von Thekla Jonathal in der Laeiszhalle statt. Aufgeführt wurden die Messa di Gloria von Giacomo Puccini und das Te Deum von Georges Bizet, unter Begleitung der Symphoniker Hamburg.

Der Hamburger Oratorienchor setzt sich aus drei Chören zusammen, die nur für gemeinsame Auftritte auch gemeinsam proben. Wie gut dieses Konzept gelingt, davon konnten sich die ZuhörerInnen in der gut besuchten Laeiszhalle gestern überzeugen.

Von Frühjahrsmüdigkeit ist nichts zu spüren bei dieser rundum gelungenen Aufführung. Der Chor, besetzt durch SängerInnen aller Altersgruppen, bietet ein einheitliches Bild in Klang und Durchführung; die Lust am Singen ist allen Beteiligten anzusehen. Corona bedingt singen ca. 70 des sonst bis zu 120 SängerInnen starken Chores. Umso mehr Respekt ist den Akteuren zu zollen, die Qualität über beide Werke hochzuhalten, zumal oft eine gewisse Stimmgewalt erforderlich ist. Thekla Jonathal weiß den Chor mit präzisem Dirigat zu leiten, und er ist präsent und folgt ihr genau.

Die Uraufführung der Messa di Gloria für Chor, Orchester und Tenor- sowie Basssolisten fand 1880 in Lucca in der Toskana statt. Das dreiteilige Kyrie beginnt nach einer Orchestereinleitung mit einem warmen, andächtigen Choreinsatz, der in einen kanonartigen Teil mündet. Es folgt ein eindrücklicher Mittelteil mit dem „Christe“, bei dem Tenor und Bass durch Stimmgewalt glänzen. Der dritte Teil gleicht dem ersten und findet einen zarten Abschluss in den Streichern und Flöten. Das nachfolgende Gloria besteht aus acht Teilen. Es beginnt majestätisch zunächst mit den Frauen-, dann mit den Männerstimmen. Das „Gratias agimus tibi“ wird inbrünstig vom Solotenor (Michael Connaire) gesungen, bevor der Chor schwungvoll in ein „Gloria in excelsis Deo“ einstimmt. In den folgenden Abschnitten werden wieder eindrucksvoll seine Flexibilität, seine Präzision und der einheitliche Klang bewiesen, der Wechsel der Tempi und der Dynamik bereitet keine Schwierigkeiten; zart das „Domine Deus“, voller Pathos das “Qui tollis peccata mundi“. Den Schluss des Gloria bildet ein kanonisch angelegter Chorsatz. Das 7-teilige Credo beginnt mit einem majestätischen a capella Teil des Chores, später begleitet von Streichern, dann kraftvollen Bläsern. Im dritten Teil „Crucifixus etiam pro nobis“ glänzt der Solobass (Konstantin Heintel), bevor im „Et resurrexit“ der gesamte Chor übernimmt. Das Gloria endet mit einem Amen des Chores, dem ein crescendierender C-Dur Akkord des Orchesters folgt. Das Sanctus ist dem Chor vorbehalten, das folgende Benedictus wird vom Basssolisten gestaltet, bevor der Chor abschließt. Beide Solisten singen abwechselnd das Agnus Dei, vom Chor begleitet durch die Wiederholung des „Miserere nobis“. Zunächst die Solisten, anschließend der Chor beenden die Messe mit einem „Dona nobis pacem“.

Der Eingangssatz des Te Deum, das 1858 von Bizet als Vertonung des Ambrosianischen Lobgesanges komponiert wurde, erklingt als homogener Chorsatz im Marcato in strahlendem A-Dur, bei dem besonders der Sopran brillieren kann; auch die Tuba kommt hier zum Einsatz. Dies wandelt sich in Streicheraccorde, zu denen der Solotenor zu hören ist. Die Sanctus-Rufe des Solosoprans (Dorothee Fries springt hier kurzfristig für Nathalie de Montmollin ein), nur von der Harfe begleitet, bilden den Höhepunkt, sie werden vom Chor exakt aufgenommen. Im zweiten Satz „Tu Rex gloriae, Christe“ sind besonders die Blechbläser –  Posaune, Fagott und Hörner – zu hören, bevor der Solotenor unter Begleitung der Streicher den Vers „Tu devicto mortis aculeo“ einer Fanfare gleich singt. Den Schluss bildet ein Sopransolo als Wiederholung des ersten Teiles, mit kraftvollen, genau punktierten Einwürfen des Chores. Wunderbar zart ist der dritte Satz „Te ergo quaesumus“ zunächst vom Solosopran, in der zweiten Strophe unter Chorbegleitung zu hören, bevor die Bässe leise, leise mit „Miserere nostri, Domine“ den Schluss markieren. Der vierte Satz ist dem Chor vorbehalten, hier beginnt als Fuge zunächst kraftvoll der Bass, die folgenden Stimmen nehmen das Tempo sehr gut auf. Als Schluss leitet ein „Sanctus Dominus“ nahtlos in den fünften Satz über, der als Wiederholung des ersten Satzes komponiert wurde, wobei hier am Ende ein froh geschmettertes „Deus Sabaoth“ den Zuhörern entgegenschallt.

Nach andächtiger Stille bedankt sich das Publikum mit minutenlangem Applaus. Dann spricht Thekla Jonathal einige Sätze zur gegenwärtigen Kriegssituation. Sie trägt unsere Gedanken zu den Leid tragenden und bittet um Frieden für alle Menschen. Als Abschluss, als Andacht singt der Chor mit allen Solisten noch einmal den Schluss der Messa di Gloria, das Agnus Dei, das mit den Worten endet: Gib uns Frieden!

Es wird ein unvergesslicher Abend bleiben. Still verlassen die Anwesenden den Saal.

Marlies Radtke

Fotos

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