Alle singen im Chor

Ein Kriminalroman von Leena Lehtolainen

Leena Lehtolainen ist eine finnische Autorin von Weltruf. Anfang der 90er Jahre startete sie eine Krimiserie mit der Ermittlerin Maria Kallio. Der erste Band „Alle singen im Chor“ hieß im finnischen Original „Mein erster Mord“ („Ensimmäinen murhani“) und war der erste von bisher 15 Titeln der Reihe.

Dazu der Verlag in der Ankündigung: Böse Menschen kennen keine Lieder.

„Im flachen Uferwasser eines Sees wird eine Leiche gefunden: Ein Mann wurde ermordet. Als Maria Kallio die Ermittlungen übertragen werden, befindet sie sich in einer schwierigen Situation: Sie kennt Jukka Peltonen aus Studienzeiten gut – ebenso wie die anderen Männer und Frauen, die mit ihm das Wochenende auf dem Land verbrachten. Sie alle sind Mitglieder eines Chors, seit Jahren befreundet, in ihrer Hingabe zur Musik und in wechselnden Liebschaften einander verbunden. Und doch hat jemand aus dem Chor Jukka ermordet. Maria Kallio, die finnische Kommissarin, muss den Mörder im Freundeskreis entlarven.“

Man kennt sich lange, aber wie gut eigentlich? Da es kaum möglich sein kann, dass jemand außerhalb der Chorgruppe den Mord begangen hat, werden die Beziehungen hinterfragt, Misstrauen macht sich breit, eine/r beschuldigt den/die Ander/en. Zunächst ist sich Maria Kallio völlig im Unklaren darüber, was und vor allem warum der Mord passiert sein könnte. Dass der Chor ein „Tummelplatz von Neidhammeln“ war, hat sie längst erkannt. „Allerdings würde kaum jemand einen anderen nur deshalb ermorden, weil er regelmäßig eine Spur zu tief sang?“ Oder? Gute Frage!

Und das Opfer selbst? War es so charmant, hilfsbereit und erfolgreich, wie alle dachten? Die Freunde/innen, die Familie, die Kollegen/innen? „Hast du irgendeine Idee, wer einen Grund gehabt haben könnte, Jukka Peltonen umzubringen? Frag mich lieber, wer keinen Grund dazu gehabt hat!“ Diese Aussage ändert den Blickwinkel erheblich. Und so geht es in diesem Krimi zu, kaum glaubt man zu wissen, was Sache ist, entwickelt es sich anders. Und Maria Kallio? Sie muss erkennen, wie viel sich seit der gemeinsamen Studentenzeit verändert hat. Sie kann sich nicht auf Altvertrautes verlassen, ganz im Gegenteil: Die Oberfläche bröckelt, es zeigen sich unerwartete und unangenehme Untiefen.

Leena Lehtolainen spricht in diesem Buch auch die Position von Frauen bei der finnischen Polizei an. Man denke mehr als 20 Jahre zurück. Maria Kallio stößt immer wieder auf Gegenwind, Misstrauen und Unterstellungen. Ihr Chef: „Wenn man euch Frauen schon Gelegenheit gibt, anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen, solltet ihr zeigen, dass ihr auch was anderes könnt, als über Nebensächlichkeiten zu nörgeln.“ Sie selbst: „… ich durfte nicht grün im Gesicht werden – weil ich eine Frau war. Und ich gab mich natürlich hart und riss hinterher in der Polizeikantine die geschmacklosesten Witze, obwohl ich alle Mühe hatte, mein Hühnerfrikassee herunterzubekommen.“

So liest sich dieser Krimi, Leena Lehtolainen teilt mit uns Lesenden die Gedanken und die Gefühle der Hauptfigur. Der Leser wird direkt beteiligt an der Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Dies wird in diesem und auch in den späteren Büchern deutlich. Sie sind stets aktuell in Bezug zu den Geschehnissen der Welt oder auch zu den persönlichen im Leben der Maria Kallio.

Zum guten Schluss ein weiterer Aspekt: Mit einem der Chorsänger gerät sie unerklärlicherweise immer wieder in Streit. Da denkt sich man warum, was soll das jetzt in diesem Krimi? Nun, es darf ja nichts verraten werden, aber da entwickelt sich etwas.

Vorsicht ist geboten, es könnte nach dem Lesen zu einer leichten Leena Lehtolainen-Sucht kommen. In den späteren Bänden kommt das Chorleben zwar nicht mehr so intensiv vor, dafür aber Spannung, sehr viel Spannung.

Frau Lehtolainen schrieb ihr erstes Buch mit 12 Jahren und hat nicht wieder mit dem Schreiben aufgehört. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern arbeitet als Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Kolumnistin. Und die Musik? In der Freizeit entspannt die passionierte Musikliebhaberin bei Punkrockmusik, sie spielt Gitarre, Piano und singt!

Und wer mehr über Leena Lehtolainen wissen möchte, findet z.B. unter https://de.wikipedia.org/wiki/Leena_Lehtolainen  einen Eintrag und jede Menge weiterer Titel der Autorin.  

„Böse Menschen kennen keine Lieder.“ Wirklich nicht? Diese Frage stellt sich neu, nach der Lektüre von „Alle singen um Chor“ …

Gertrud Krapp

Leena Lehtolainen

Leena Lehtolainen, 1964 geboren, lebt und arbeitet als Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Autorin in Degerby, westlich von Helsinki. Sie ist eine der auch international erfolgreichsten finnischen Schriftstellerinnen, ihre Ermittlerin Maria Kallio gilt nicht nur als eine Art Kultfigur der finnischen Krimiszene, sondern erfreut sich auch bei deutschen Leserinnen und Lesern seit dem Erscheinen des ersten Bandes der Reihe 1994 ungebrochener Beliebtheit.

Produktinformation

  • Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Taschenbuch; 12. Edition (1. Juni 2002)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 240 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3499230909
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499230905