Interview Niels Schröder

Dieses Jahr feiert HAMBURG SINGT seinen 5. Geburtstag. Wie die Idee zu diesem Projekt entstand und was sich anfühlt, wie Norddeutschlands größtes Lagerfeuer, lest ihr im Interview mit Niels Schröder.

Singen macht glücklich, stimmt das aus deiner Sicht?

Das stimmt in vielerlei Hinsicht und das Glück, was man durch Singen erreichen kann, erreicht man tatsächlich auf verschiedene Art und Weise, habe ich festgestellt. Darüber habe ich sogar meine Staatsexamensarbeit geschrieben.

Singen ist per se etwas, was uns ausgleicht, mit dem wir verarbeiten und mit dem wir Wohlbefinden generieren können. Selbst wenn man traurig ist und dann singt, hat das eine Form von Trost.

Das erste, was wir bereits im Mutterleib mitbekommen, ist die Stimme. Dadurch ist Singen ganz tief in uns drinnen. Es tut uns genauso gut wie tanzen. Man muss nur erstmal in eine Situation kommen, in der man auch tanzen kann. Das sind eigentlich immer die schönen Momente, wo ausgelassen getanzt wird. Die gleiche Freude empfindet man, wenn man irgendwo ausgelassen singt. Und das geht bei HAMBURG SINGT.

Es ist für alle Menschen ähnlich gut tuend, wenn man in einer netten, positiven Atmosphäre, begleitet von einer Rockband ausgelassen singen kann und es sich anfühlt wie ein Rockkonzert. Gleichzeitig macht das Singen in der Gruppe glücklich. Bei HAMBURG SINGT ist es dieser große, tolle Klang, der erzeugt wird. Davon ein Teil zu sein, macht auch ein Stück weit stolz. Das Gefühl von Stolz ist gleichzeitig ein Gefühl von Gemeinschaft, von „wir“, ob man sich nun kennt, oder nicht – alle machen das Tolle, was gerade entsteht gemeinsam und man ist Teil eines großen, stolz machenden, funktionierenden, beeindruckenden Ganzen.

 

 Wenn man dich auf der Bühne beobachtet, hat mein den Eindruck, du verschmilzt mit der Musik. Stimmt das in irgendeiner Form und wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe einfach wahnsinnig viel Lust auf Musik. Ich liebe Musik über alles, die bewegt sich in mir.

Ich habe die tolle Aufgabe, die verschiedenen Leute, die musizieren, zusammenzuhalten und zu lenken. Die Sänger musizieren, die Band musiziert, die Solisten musizieren und wenn man so will, musizieren auch ein Ton- und ein Lichtmann irgendwie rhythmisch mit der Musik mit. Der Punkt zu sein, der das alles zusammenhält, das ist mein absoluter Lieblingsjob.

Wenn man dann auch merkt, wie viel Spaß alle haben und wie alle merken, „oh Mann, wir verschmelzen hier gerade“ – das mit lenken zu dürfen, macht auf jeden Fall richtig glücklich.

Zur Musik bin ich schon als Kind gekommen. Ich hatte damals schon auf Musikunterricht richtig Lust. Mein Vater hat immer Musik gemacht, von daher war Musik  bei uns zuhause selbstverständlich. Plötzlich wurde dann durch eine Blockflöte, ein Glockenspiel oder ein Akkordeon in der Grundschule die Möglichkeit eröffnet, selber Musik zu machen und auf die habe ich mich Berichten zu folge gestürzt. Ich erinnere tatsächlich auch noch, wie mein Musiklehrer irgendwann mal auf dem Klavier gespielt hat. Das muss in der 4. Klasse gewesen sein. Das hat mich total begeistert und seit dem bin ich Schritt um Schritt auf die Musik zu und mit der Musik gemeinsam gegangen.

Außerdem bin ich in den USA im Schulchor gewesen, das war sehr beeindruckend. Dann habe ich hier in Deutschland Pop-, Jazz- und Gospelchöre schätzen,lieben und leiten gelernt. Ich habe dann auch Chorleitung bei Cornelius Trantow studiert.

 

Du leitest ja vor allem Gospelchöre – was ist das besondere an dieser Musik für dich?        

Ich habe früher vor allem Gospelchöre geleitet. Mittlerweile sind es DER NORDEN SINGT – also die Chöre für alle das, was ich mache.

Was mir ganz wichtig ist, ist die Ausgelassenheit. Ich habe es immer gemocht, wenn so gesungen wurde, das man ausgelassen ist. Es ging und geht um den Spaß und bei den Chören für alle geht es einfach darum, den Raum zu haben für jemanden, der sonst nicht so viel singt oder für jemanden, der vielleicht von sich denkt, er könnte nicht singen. Aber ab einer bestimmten Größe der Gruppe fällt es überhaupt nicht mehr auf, wer wie singt. Das mischt sich nämlich perfekt und dann macht es die Masse – genau wie im Fußballstation.

Ich bin sehr froh über diese ausgelassene, unverbindliche Form einer Riesenchorprobe, die sich anfühlt wie ein Konzert.

  

Das ist ja so ähnlich wie diese Mega-Chor-Projekte, wie zum Beispiel das Pop-Oratorium Luther. Was hältst du davon?

Ich finde die Riesenchor-Projekte auch super. Ich finde alles super, wo Menschen singen, weil ich glaube, dass das ganz, ganz, ganz wichtig ist. Es tut uns wahnsinnig gut. Wenn ganz viele Menschen zusammen singen, wie in den großen Oratorien, die es jetzt gibt,  sind die Leute auch stolz, da mitzumachen. Es klingt auch wirklich beeindruckend und  ist beeindruckend. Und was gibt es Schöneres, als sich in der Barclaycard Arena zu treffen miteinander Musik zu machen? Das ist wie Norddeutschlands größtes Lagerfeuer!

  

Hamburg Singt! Feiert dieses Jahr seinen 5. Geburtstag. Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?

Zuerst war da eine Erfahrung, die ich bei Gospelkonzerten gemacht habe. Wir haben mit dem Young Spirits Gospel Choir viele Konzerte gegeben. Bei diesen Konzerten haben wir dem Publikum oft eingängige Lieder beigebacht. Die haben wir kurz mit denen einstudiert und dann haben wir sie gemeinsam gesungen. Dabei sind die Leute dann immer aufgestanden und haben geklatscht und mitgesungen.

Damit war dann die „brennbare Masse“ sozusagen da und der Funke kam dann durch einen Bericht einer Freundin. Sie erzählte, sie sänge in Stockholm in einem Chor mit 600 Leuten und das, obwohl sie gar nicht so richtig singen könne. Da hat es dann bei Sören und mir „klick“ gemacht und wir haben uns überlegt, dass man sich ja einfach so mit allen zum Singen treffen kann. Man studiert ein paar Lieder ein und feiert diese dann am Ende direkt bei der Veranstaltung selbst, so dass man keine Verbindlichkeit da drin hat. Und dann war die Idee ein HAMBURG SINGT und später DER NORDEN SINGT zu gründen geboren.

  

Was waren die Highlights in 5 Jahren HAMBURG SINGT?

 Ich finde, das große Highlight ist, dass so viele Menschen Lust haben, zu singen. Dass es uns so viel Spaß macht und dass es den Leuten so viel Spaß macht, das ist für uns ein richtig dickes Highlight.

Dann gibt es natürlich auch immer Meilensteine, wo wirklich viele Leute gemeinsam singen. Wir hatten im letzten Jahr zum Beispiel 1.600 Leute in der Laeiszhalle du es sind auch immer viele tausend Leute beim Weihnachtssingen in Hamburg.

Aber trotzdem sind es auch immer wieder die „normalen“ Abende, in den einzelnen Städten, die  dann besonders magisch sein können.

 

Auf was dürfen wir uns in den nächsten 5 Jahren bei HAMBURG SINGT freuen?

 Sören und ich haben nicht so richtige Jahrespläne gemacht. Wir haben uns auch nicht vor fünf Jahren Gedanken gemacht, wie das in zehn Jahren aussehen könnte, sondern. Wir haben einfach gedacht „Lass uns mal dienstags in Hamburg singen, lass uns das einfach anbieten, und gucken, was passiert“. Genau das machen wir jetzt auch. Wir gucken einfach, welche Türen sich öffnen.

 

 

Tanja Schneider

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