Aktionstag „aufatmen!

Aktionstag „aufatmen! – Hamburg singt und spielt“ des Hamburger Chorverbands brachte Hinterhöfe, Parks und Fußgängerzonen zum Klingen – Empfang in der Ruine des israelitischen Tempels vernetzte die Szene

Am 3. September 2022 fand zum zweiten Mal der Aktionstag „aufatmen! – Hamburg singt und spielt“ des Hamburger Chorverbands e. V. statt, an welchem sich mehr als zwanzig Chöre, Vocalensembles und Theatergruppen im ganzen Stadtgebiet beteiligten. Die Konzerte und Workshops in Hinterhöfen, Parks und Fußgängerzonen zogen tausende von Schaulustigen an und ermutigten zum Mitmachen. Beendet wurde der Tag mit einem hochkarätigen Konzert und einem Empfang in der Tempelruine in der Poolstraße.

Der Chorverband Hamburg e. V. hatte, in Kooperation mit dem Landesmusikrat Hamburg, dem Arbeitskreis Musik in der Jugend (amj), Verband Deutscher Konzertchöre und dem Verband Hamburger Amateurtheater, zu einer Neuauflage des Aktionstages „aufatmen! – Hamburg singt und spielt“ am 3. September 2022 aufgerufen. Viele Chöre, Vocalensembles und Theatergruppen folgten diesem Ruf und brachten Hinterhöfe, Parks und Fußgängerzonen zum Klingen.

„aufatmen! – Hamburg singt und spielt“ fand erstmals 2021 statt und war ein voller Erfolg. Über 90 verschiedene Chöre, Vocal Groups, Instrumentalensembles und Schauspielgruppen mit über 1500 Beteiligten brachten alle sieben Bezirke der Stadt zum Klingen und Spielen, um zu zeigen, dass die Amateurkulturszene der Stadt auch nach der langen Pandemiepause noch quicklebendig ist!

Weniger Beteiligung in diesem Jahr, aber dennoch ein Erfolg

Zwar haben sich in diesem Jahr weniger Gruppen zum Aktionstag angemeldet, dies betrachtet der Projektleiter der Veranstaltung, Christoph Schlechter (Chorleiter u. a. Lux Aeterna, älter & besser) aber als positives Zeichen. „Im letzten Jahr hatte wir einen kompletten Stillstand der Amateurgruppen. Viele Gruppen haben einfach darauf gewartet, wieder in Aktion treten zu können.“ erklärt Christoph Schlechter. In diesem Jahr haben einige Teilnehmer aus dem letzten Jahr dem diesjährigen Aktionstag eine Absage erteilt, da sie bereits eigene Veranstaltungen hatten. „Das ist für mich ein positives Zeichen, weil es endlich wieder los geht mit ein bisschen mehr Normalität“, so Schlechter.

Und so kann man auch den diesjährigen Aktionstag durchaus ebenfalls als Erfolg betrachten. Insgesamt 22 Gruppen, unter anderem der Seemannschor Hamburg, Music Alive, LuxAeterna, und das Tessitura Musiktheater Hamburg beteiligten sich am diesjährigen Aktionstag „aufatmen! – Hamburg singt und spielt“. Ob Shantys in der Rindermarkthalle St. Pauli oder Mantrasingen im Eilbekpark, für alle Geschmäcker war etwas dabei. Bereits aus der Ferne waren die Klänge aus den Hinterhöfen, Parks, Fußgängerzonen und sogar vom Elbstrand zu hören und man musste ihnen einfach nur folgen.

Abschlussveranstaltung fand in der Ruine des Israelitischen Tempels statt.

Die zentrale Abschlussveranstaltung des Aktionstags fand in der Ruine des Israelitischen Tempels auf dem Hinterhofgelände der Poolstraße 12-14 statt. An diesem stimmungsvollen und erinnerungswürdigen Ort ließ der Chorverband den Aktionstag mit Grußworten der Ehrengäste und musikalischen Beiträgen von Lux Aeterna, Mystery Kren, sowie eines eigens für diesen Anlass gegründeten Vokalensemble aus Chorleitenden des Seniorenchors älter & besser ausklingen. Zu den Ehrengästen gehörten Petra Merkel, die Vizepräsidentin des Deutschen Chorverbands, welche in Vertretung für Christian Wulff (Bundespräsident a. D, Präsident des Deutschen Chorverbands) extra aus Berlin angereist war, sowie Theo Huß (Vizepräsident des Landesmusikrats Hamburg), Dr. Ilja Stephan (Manager NDR Vokalensemble), Dr. Astrid Bernicke (Referatsleitung Musik, Behörde für Kultur und Medien) und Dagmar Wiedemann (Mitglied Hamburger Bürgerschaft, Kultur- und Medienausschuss).

Chorszene durch Coronakrise stark gebeutelt

Für Petra Merkel stellte der Aktionstag „aufatmen!“ ein ganz großartiges Projekt dar. „Die Zeit von Corona hat alldiejenigen, die in Chören singen, unglaublich gebeutelt. Wir sind als diejenigen hingestellt worden, die gefährlich sind, wenn wir singen, und das hat ja Spuren hinterlassen.“ so Merkel. Sie erklärte weiter: „Etwa zehn Prozent der Sängerinnen und Sänger haben aufgegeben. Und da müssen wir eine ganze Menge tun, damit welche zurückkommen oder, dass auch Neue dazu stoßen“. Theo Huß vom Landesmusikrat Hamburg stimmte dieser Aussage zu. „Wir werden viel Arbeit vor uns haben, die Chorsänger wieder zu gewinnen, neue Chorsänger zu mobilisieren, die Chorleiter wieder in die Arbeit zu kriegen, aber auch das Publikum wieder zu gewinnen.“ Zwar beginnen Chöre wieder Veranstaltungen zu machen, aber das Publikum bleibt aus Unsicherheit noch aus. „Ich hoffe sehr, dass der kommende Herbst nicht wieder zu einer Zeit des Luftanhaltens wird, sondern dass das Aufatmen weiter unsere Tätigkeiten in unseren Chören ermöglichen kann. Ich wünsche der Chorszene sehr herzlich, dass es wirklich weitergehen kann und dass wir befreit singen können!“ beschloss Theo Huß sein Grußwort. Dr. Enno Stöver, Vizepräsident des Chorverbands Hamburg, konnte der Coronazeit aber auch positives abgewinnen, schließlich sind in dieser Zeit ganz viele Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Dachverbänden der Amateurkulturszene entstanden. „Wir rücken alle etwas enger zusammen und das ist sicherlich ein gutes Ergebnis dieser Corona-Jahre.“, erklärte Stöver. Auch wenn die Amateurkulturszene gerne einen
genauso hohen Stellenwert wie der Sport in Hamburg erlangen könnte, so freute sich Stöver über die Vernetzung und den Zusammenhalt der Szene, wo es keine gelben Karten gibt oder Polizeieinsätze wegen rivalisierender Truppen. „Ich finde es schön, wenn Chöre einfach auch zusammensingen, wie es heute zum Beispiel vor der Rindermarkthalle der Fall war. Insofern sag ich, lasst es uns nächstes Jahr einfach genauso wieder machen!“ forderte er die Anwesenden auf und erntete dafür großen Beifall.

Eine Fortsetzung des Projekts liegt im Rahmen des Möglichen, und bei Vernetzungsgesprächen zwischen den Organisationen wurden bereits einige Ideen geäußert, die gemeinsam weiterentwickelt werden sollen.