Winter im Juli – Musikalische Reise durch die Jahreszeiten
Bei drückenden 27 Grad Außentemperatur sorgte der Madrigalchor Eppendorf am Samstagabend für willkommene Abkühlung. Doch Winter im Juli? Ein geschicktes Konzertprogramm macht es möglich: Am 19. Juli 2025 führten die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Uschi Krosch und mit Unterstützung von Eva Barta am Klavier das Publikum in der gut gefüllten St. Petri Kirche in Altona durch die Jahreszeiten.
Nicht nur, dass der Eppendorfer Madrigalchor für dieses Konzert in Altona zugegen ist, gab es direkt zu Beginn ein echtes Novum: die Ansagen wurden von den Sängern selbst übernommen, wodurch man in das Programm, jeweils nach den vier Jahreszeiten geordnet, eingeführt wird.
So beginnt das Konzert mit dem Frühling, oder eher mit der „Liebe im Frühling“. Das erste Stück „Belle qui tiens ma vie“ von Thoinot Arbeau (1519–1595) handelt von der Anbetung eines Jünglings an seine Geliebte. Es folgen Frühlingsgesänge verschiedener Epochen und Sprachen: „Vaghi amorosi augelli“ (Maddalena Casulana), „Schön ist das Fest des Lenzes (Robert Schumann) „O primavera, gioventù de l’anno“ (Claudio Monteverdi). Im fließenden Übergang zum Sommer wird im letzten Lied des Frühlings eine Liebe im Verlauf der Monate beschrieben: „April is my mistress face“ von Thomas Morley (1557–1602).
Das nächste Stück hat den Chor vor eine besondere Herausforderung gestellt, wie es in der Ansage heißt. Es wird nämlich auf dänisch gesungen: „I seraillets have“ handelt von einem Garten mit all seinen Eindrücken. Der Chor hat sich keine Schwierigkeit anmerken lassen und den einen Garten genau so souverän zur Geltung kommen lassen, wie den Garten des nächsten Stücks. Diesmal ein Garten der Stille und Vergänglichkeit – die Natur tritt in Hindemiths „Verger“ als Metapher für menschliches Leben auf.
Es folgen die letzten beiden Stücke des Sommers. „Flowers“ von Agnes Zimmermann steckt sowohl Publikum als auch Chor mit seinem schwingenden Rhythmus an, während „As Torrents in Summer“ von Edward Elgar eine Sommerquelle das menschliche Herz allegorisiert, indem der Chor das Anschwellen der Quelle mit der Entwicklung von Tonhöhe und Dynamik hörbar macht.
Der Herbst wird durch drei Stücke dargestellt, die zunehmend kühler und melancholischer werden. In Bruckners „Herbstkummer“ heißt es in Moll „Der Herbst ist gekommen“, wodurch eine ganz andere Stimmung als noch im Frühling und Sommer erzeugt wird. „Fahr wohl“ von Brahms und „Automne“ von Fauré vertiefen diesen Eindruck noch weiter. Dem gut eingespielten Chor gelingt es zusammen mit dunklen Klavierklängen die kühlere Stimmung zu entwickeln.
Spürbar kühler wird es schließlich als der Winter Einzug hält. Mit drei Kompositionen von Ola Gjeilo (*1978) gelingt es dem Chor im Juli tatsächlich kühlere Temperaturen herbeizusingen. „Ave generosa“ und „Days of beauty“ sind von strahlenden und gleichzeitig kühlen Klängen geprägt. „The Rose“ handelt von einer Rose, die die Welt in Brand setzt, was durch die Moll-Klänge auch hörbar wird.
Am Ende der Reise durch die Jahreszeiten ist das Publikum begeistert, der Applaus lässt nicht nach und der Chor antwortet mit einer Zugabe: „My letter to the world“ von Toby Young bildet das eindrucksvolle Finale. Somit wird der Abend nicht mit der zwar willkommenen aber winterlichen Abkühlung, sondern mit strahlenden Klängen und einer hoffnungsvollen Sicht auf die Welt abgerundet: „There is another sky“.
Juliane Nehring
Fotos