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älter & besser in concert – ein musikalisches Fest in Wilhelmsburg

Viele Feste finden einmal im Jahr statt, das ist auch bei den Chören von älter & besser nicht anders. Ein schöne Tradition ist es, einmal im Jahr vor Publikum, Freundinnen und Freunden, Enkelkindern, Familienangehörigen oder einfach auch nur für Interessierte zu singen. Am 9. November um 16.00 Uhr standen Sängerinnen und Sänger aus 9 verschiedenen Chören von älter & besser auf der sehr großen Bühne des frisch renovierten Bürgerhauses in Wilhelmsburg. Gelb und Schwarz lautete das Kleidermotto, so strahlten die Farben entsprechend sonnig und heiter von der Bühne. Mit im Programm waren zwei special guests, der Hamburger Knabenchor (Vorchöre) und der Nachbarschaftschor aus Wilhelmsburg Kanal & Lieder.

16.00 Uhr war allerdings nicht der Beginn des Chortages für die Beteiligten. Bereits um 12.00 Uhr begann das Treffen der Chöre zu letzten Vereinbarungen und der Stellprobe. Eine Besonderheit: Die Chöre besitzen eine sogenannte Liederkiste, die jährlich neu gefüllt und geprobt wird. Sie stellt das gemeinsame Repertoire dar. Ansonsten verteilt auf die verschiedenen Stadtteile, singen die Chöre an diesem Tag erstmals zusammen, da gibt es noch einen kleinen Abstimmungsbedarf. So viele Menschen, das heißt über 100 Sänger/innen, auf der Bühne gut zu stellen, ist erfahrungsgemäß keine leichte Aufgabe. Und, das weiß man ja, während der Mensch plant, geschehen ja auch noch andere Dinge, wie eine kleine Erkältungswelle, den ein oder anderen Ausfall, der kreativ und sehr erfolgreich gemeistert wurde. Selbst ein kleiner technischer Zwischenfall konnte den Chor nicht aus der Ruhe und dem Singen bringen.

Das galt auch für die Moderatorin des Nachmittags, Inka Stubbe, die Geschäftsführerin von älter & besser, leitete souverän durch das Programm. 

Chorleiterin Hanna Ramminger von der Eppendorfer Spätschicht dirigierte das erste Lied. Sie hatte im letzten Herbst einen Jingle für älter & besser geschrieben, mit dem vielstimmig und gut gelaunt das Programm eröffnet wurde. Mit dem Beatles Klassiker Let it be ging es weiter, Michael Jan Haase vom Chor N°7 aus Altona dirigierte. Zu Wetter und Jahreszeit passend erklang der Fresenhof. Hanna Ramminger dirigierte das mehrstimmig auf Plattdeutsch gesungene Lied von Knut Kiesewetter aus dem Jahr 1976. Danach passte auch das Herbstlied von Christa Zeuch perfekt. Chorleiterin Nele Quaas vom Langenhorner Chor hatte es sich von den Chören gewünscht, seid wild und stürmisch, so wie der Liedanfang, das konnte man tatsächlich hören. Es ging an diesem Tag nicht nur um den Herbst allgemein, sondern mit dem 9. November auch um ein besonderes Datum, der Reichspogromnacht von 1938. Dazu und zu unseren Zeiten jetzt, hörte das Publikum die Ermutigung von Wolf Biermann, der es 1968 veröffentlichte und dass über 50 Jahre später nichts von seiner Aktualität verloren hat. Der ChorN°7 hatte den mehrstimmigen Satz mit Jan Michael Haase eingeübt. Die letzte Strophe wurde von allen und mit einer Stimme gesungen, nachdrücklich und stark: Du lass dich nicht verhärten, in dieser harten Zeit…

Von älter & besser ging es nun ein paar Generationen zurück zu einem ganz jungen Chor. Der erste special guest, der Hamburger Knabenchor (Vorchöre), sang unter der Leitung von Zeynep Eren Kovankaya drei Lieder und eine kleine Zugabe. Das Highlight ihres Auftritts war, gemessen am Beifall des Publikums, eindeutig Beethovens Signor Abate. Da war viel Bewegung unter den kleinen Sänger/innen. Das Singen, die Choreographie, es war ein fröhliches und ausgesprochen munteres Miteinander: Die Sänger/innen hatten die Herzen des Publikums im Flug erobert.

Nach der Pause begann das Programm mit dem zweiten special guest, dem Chor Kanal & Lieder, den Kristina Bischoff temperamentvoll anleitete. Vor neun Jahren wurde dieser Nachbarschaftschor gegründet und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Tourdion war das erste ihrer drei Stücke, ein bekanntes Trinklied aus Frankreich, aus dem 16. Jahrhundert, kurz und fast ein Tanz. Es folgte Toxic von Britney Spears, der nächste Song stellte mit dem Song von Lina Maly die Frage, sind wir schön genug?

Und dann wurde es für die älter & besser Sänger/innen etwas kompliziert. Aus dem Kinderreim Kuckuck-Hai hat Nele Quaas ein munteres Bewegungsstück gezaubert, das den in vier verschiedenen Stimmen Singenden einiges an Koordination abverlangte, es wurde ein fröhliches Singeinander. Die Chordettes haben sich mit Lollipop seinerzeit in die Herzen ihrer Fans gesungen, und so taten es ihnen die Chöre nach. Von Michael Jan Haase dirigiert, kam Swing in die Herzen und die Knie. Rio Reiser wurde nicht durch seine Shanties bekannt, aber eines gibt es von ihm, Übers Meer. Die Chöre erzählten eine Geschichte von großer Wehmut und dennoch Zuversicht, mit lauten und sehr vielen leisen einfühlsamen Tönen. 2020 schrieb die britische Komponistin und Chorleiterin Anna Tabbush das Lied harbour – Hafen. Hanna Ramminger dirigierte das letzte Stück des Programms, dessen Inhalt auch ein Statement ist. Viele Chöre haben das hymnische Lied in ihr Repertoire mit aufgenommen. Es spricht von Hoffnung, von Frieden und Harmonie, von der Solidarität mit Menschen, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen müssen und denen Sicherheit geboten wird. Der große Applaus, der zum Abschluss folgte, war die beste Belohnung für dieses Konzert und es gab viele frohe und lächelnde Gesichter. Der älter & besser Jingle vom Beginn wurde noch einmal angestimmt und die Sänger/innen verließen singend die Bühne. Es war ein schönes und fröhliches Konzert. Ich gehe jetzt ausgesprochen gut gelaunt und beschwingt nach Hause, das hat richtig Spaß gemacht, erzählte eine Zuhörerin. So wie es aussah, war sie kein Einzelfall und der Applaus mehr als verdient.

2018 wurde der älter & besser e.V. gegründet, die Geschäftsführerin ist Dr. Inka Stubbe, die auch selbst einen der Chöre leitet, den Freundinnenchor in Winterhude. Sie ist damit immer nah am Alltag der Sänger/innen und sehr vertraut mit den Möglichkeiten der Zielgruppe. Im Leitbild des Vereins sind die Ziele zusammengefasst:  Wir bringen so viele Menschen wie möglich zusammen – und zusammen zum Singen. Die ältere Stimme ist schön und ist es wert, gehört zu werden. Wir sind offen für Jede und Jeden, unabhängig von Chorerfahrung und finanziellen Möglichkeiten.

Wer mehr wissen möchte, findet die Informationen auf der Website https://www.aelter-besser.de/  , Es gibt in Hamburg mittlerweile neun Chöre in den verschiedenen Stadtteilen, mit unterschiedlichem Profil und Repertoire: Der Bergedorfer Chor und Grüner Chor Reinbek, HausDrei Chor und Chor N°7  Altona, die Hammer Ladies in Hamm, der Freundinnen-Chor Winterhude, Frühe Vögel Eppendorf, Eppendorfer Spätschicht und Langenhorn. Hier https://www.aelter-besser.de/wir geht es zu detaillierten Informationen, Chorleitung, Kontakt und Probenzeiten. Schnupperinteressierte sind herzlich willkommen und Zuwachs erwünscht. Auf dem YouTube Kanal von älter & besser https://www.youtube.com/@alterbesser7455 findet sich ausführliches Informations- und Übungsmaterial, Beispiele von diversen Auftritten und Anlässen, der Blick lohnt sich hier und ebenso auf Instagram oder Facebook.

Die special guests waren die Vorchöre des Hamburger Knabenchors, https://www.hamburger-knabenchor.de/ und aus Wilhelmsburg Kanal & Lieder https://kanalundlieder.jimdofree.com/

Gertrud Krapp

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